Wie entstehen Algen?

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Wie entstehen Algen?

Beitragvon Fredi » 28.02.2015 06:06

Jede(r), der mal ein Aquarium hatte kennt das: Plötzlich - aus dem Nichts - kommen Algen!
Aber woher und wieso?
Algensporen sind überall, in der Luft, im Boden und im Wasser. Normalerweise treten sie nicht groß in Erscheinung. Aber wenn es in einem Aquarium zu einer Massenentwicklung führt, sollte man die Ursachen und Entwicklungsabläufe kennen.
Eine kleine Anmerkung:
Der folgende Beitrag bezieht sich primär und ursprünglich nicht auf Aquarien sondern auf kl. und mittlere Fließgewässer in Mitteleuropa. Man möge mir also kleine Exkursionen wie Bezugnahme zur Landwirtschaft etc. verzeihen – ich wollte den Artikel nicht ganz umschreiben. Ich denke aber, die Faktoren lassen sich auch auf Aquarien umsetzen – man muss nur in ganz anderen Maßstäben denken. Aquarien haben keinen offenen, sondern einen geschlossenen Wasserkreislauf; zudem sind sie wesentlich wärmer (erhöhte Temp. beschleunigt alle Lebenszyklen). Diese beiden Faktoren wirken wie Katalysatoren auf die biochemischen Vorgänge.
Ich habe diesen Vortrag vor ca. 3 Jahren vor Erstsemestern gehalten . Er befindet sich auch auf meiner Fa.-Website – nur ausführlicher. Ich habe mich bemüht für euch Fachausdrücke weitgehend zu vermeiden oder sie in Klammerfunktion zu erklären.

Algen sind die typischen Symptome einer Eutrophierung!
Eu = viel; Trophie = Nahrung; (gr)

Also ein Gewässer mit einem (zu) hohen Nährstoffangebot.

Als primäre Nährstoffe kommen in Frage:
Phosphat, Stickstoff und Licht.


Was ist eine Eutrophierung?

E. ist die Zunahme der Primärproduktion durch natürliche oder anthropogene Nährstoffzufuhr. Absterbende Biomasse erhöht die Saprobie (leicht unter Sauerstoffverbrauch abbaubare Substanzen im Wasser) und deren Zerfallsprodukte setzen Nährstoffe frei, die wiederum zu einer erhöhten Trophie führen.

Vereinfachend gesagt: Eine Erhöhung der Nährstoffmenge führt zu einem erhöhtem Abbau und weiter zu mehr Zersetzungsprodukten, die wiederum zu mehr Nährstoff (im anaeroben = sauerstoffarmen Bereich) führen. Man kann also von einem Nährstoff – Überangebot sprechen.
Dieser führt auch zu einem stark erhöhten Sauerstoffverbrauch!

Wie wirkt sich eine Eutrophierung aus?

In einem nährstoffreichen Gewässer wird durch starkes Algen- und Pflanzenwachstum sehr viel Biomasse = organisches Material produziert. Wenn die Algen und Pflanzen absterben, werden sie von Mikroorganismen (Bakterien und Pilzen) zersetzt, d.h. in ihre Bausteine zerlegt. Dieser mikrobielle Abbau verbraucht Sauerstoff.

Diese Prozesse finden in jedem Gewässer statt. Aber in einem eutrophen Gewässer wird durch den Überfluss an Nährstoffen mehr Biomasse gebildet, deshalb auch mehr Biomasse zersetzt und damit mehr Sauerstoff verbraucht als in einem oligotrophen (nährstoffarmen) Gewässer.

Zusätzlich kann das Sonnenlicht in ein eutrophes Gewässer häufig nicht so tief eindringen, da das Wasser aufgrund der vielen Planktonalgen sehr trüb ist. Die Folge ist, dass im Wasserkörper selbst weniger Sauerstoff durch Photosynthese produziert werden kann.

Da Sauerstoffproduktion lediglich in Oberflächennähe stattfindet, mikrobielle Zersetzung jedoch auf dem Grund des Gewässers, sinkt der Sauerstoffgehalt zunächst in Bodennähe ab. Der Sauerstoffschwund steigt im Gewässer immer weiter nach oben und kann im Extremfall das gesamte Gewässer betreffen.
Das Gewässer ist "umgekippt".

Verschärfend wirkt in diesem Prozess auch noch die Temperatur. Zum einen löst sich in warmem Wasser nicht so viel Sauerstoff wie in kaltem Wasser, d.h. das Sauerstoffangebot in wärmerem Wasser ist allein aus physikalischen Gründen geringer als in kälterem Wasser.

Phosphate:

sind Phosphorverbindungen, in denen der Phosphor in einer Oxidationsstufe vorliegt.

Phosphorverbindungen sind für alle Lebewesen existenziell notwendig. Sie sind sowohl für den Aufbau wie auch die Funktion vieler zentraler Bereiche wie DNA und Nahrungsversorgung der Zellen verantwortlich.
In einem Menschen (70 kg) sind rd. 700 g Phosphat enthalten (vorwiegend im Knochenbau als Kalziumphosphat).

Phosphor kommt in der Natur als Phosphat, gebunden in Mineralien wie Apatit, Phosphorit u.a., in der Erdkruste vor.
Von den ca. 180 Mill. Tonnen jährlich weltweit geförderten Rohphosphaten werden 90% als Düngemittel eingesetzt.
Als Düngemittel kann Phosphat durch keinen anderen Stoff ersetzt werden.
P. werden meist in Form von Tierausscheidungen in das Aquarium eingebracht. Der quantitative Nachweis von P. im Wasser ist möglich, einige Hersteller bieten kolorimetrische Tests an – deren Genauigkeit mir aber nicht bekannt ist. Ich teste mittels eines Photometers (Macherey-Nagel) dessen Nachweisgrenze allerdings bei 0,01 mg. liegt. Für genauere Werte müsste man chromatografisch messen (HPLC oder Ionenchromatografie).

Welche Bedeutung hat P. für die Pflanzen?

Phosphate sind Bestandteile von Fetten (Lipiden) und somit auch ein Strukturelement für den Aufbau der Zellmembranen. Ebenso sind Phosphate in Form von Nucleinsäure-Bestandteilen Trägerelemente für die DNA und RNA.
Des Weiteren haben P. Einfluss auf Kohlehydrat- und Wasserhaushalt und auf die Photosynthese der Pflanzen.

Die P. - Aufnahme von Algen:

Wie kommt das gelöste Phosphat nun in die Algen?

Die gelösten P - Ionen (bei Grünalgen ((Chlorophyta)) sind es H2 PO4 Ionen; bei Blaualgen (Cyanobakterien) sind es H PO4 2- Ionen) werden innerhalb allerkürzester Zeit (1 - 5 Min.) via ATP (Adenosin-triphosphat) durch die Zellmembran aufgenommen. Das Bauprinzip in der Zellmembran ist wie bei einer Drehtür: Das freie Ion dockt in einer Vakuolen - ähnlichen geöffneten Membranöffnung an, die danach entscheidet, ob das Phosphat sofort zum Energieumsatz benötigt wird oder nicht.

Wenn ja, was passiert?

Das Phosphormolekül bindet sich an ein Zuckermolekül (meist das Glucose Atom 6). Diesen Vorgang nennt man auch Phosphorylierung. Da die Veresterung mit dem Zuckermolekül energiereicher als die Ausgangsverbindung ist, entsteht ein Energiezuwachs von 13,8 kJ mol -1.
Die Pflanze (Algenzelle) hat nun neue Energie für weitere Teilungen und Wachstum!

Wenn nein, was passiert dann?

Da die Phosphataufnahme wesentlich schneller als das Wachstum der Algen vonstattengeht, wird eine Speicherung des P. in den Chloroplasten der Zelle vorgenommen. Wenn auch diese Speicherkapazität erreicht ist, wird kein neues Phosphat mehr aufgenommen, die Drehtür wird geschlossen:
Die Sättigungsgrenze ist erreicht!

Es kann noch so viel gelöstes Phosphat für die freie Aufnahme zur Verfügung stehen: Es kann nicht mehr konsumiert werden!

Nun ergeben sich Fragen:

Wo liegt diese Sättigungsgrenze?

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass das Algenwachstum bei 0,015 - <0,02 mg/l Phosphat stagniert, bzw. rückläufig ist.
Diesen Wert brauchen die Algen also zu einem Wachstum mindestens.
Womit sich der limitierende Faktor von P. belegen lässt - allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau.

Die Obergrenze der Phosphataufnahme liegt zwischen 0,02 und 0,03 mg/l P. Das überschüssige Phosphat lagert sich im Bodengrund (oder Filter) ab und bleibt dort erhalten (man spricht von der sog. ‚Phosphatfalle‘). Ein Abbau des Phosphates kann lediglich durch Pflanzen (Tunze hatte da mal gute Ideen mit den sog. Bioreaktoren) oder durch Kalkfällung erfolgen (ein hoher pH-Wert lässt P. ausfallen).

Stickstoff

N (hergeleitet aus Nitrogenium (lat.)=Stickstoff) in Fließgewässern liegt in der Regel als Ammonium vor, dass durch bakterielle Oxidation von Ammonium (NH4) über Nitrit (NO3) zu Nitrat (NO2) umgewandelt wird. Diesen Vorgang bezeichnet man auch als Nitrifikation*.

Der Stickstoff liegt also in 3 Fraktionen vor:
1. Ammonium (NH4);
2. Nitrit (NO2);
3. Nitrat (NO3);

In relativ unbelasteten Gewässer liegt ein Mengenverhältnis von
Ammonium - Nitrit - Nitrat in 14: 1: 85 Teilen vor.


ESSAY:
* Es war 1888 als Sergei Winogradsky (geb. 1856 in Kiew, gest. 1953 in Brie Comte Robert (Frankreich)) die Bedeutung dieses Phänomens der Nitrifikation in Zürich entdeckte und beschrieb. Er konnte sogar die einzelnen am Vorgang beteiligten Bakterien benennen und deren Wirkung beschreiben.
S. Winogradsky war als Mikrobiologe Professor in St. Petersburg und ab 1885 auch als Professor am renommierten Pariser Institut Pasteur tätig. Er war auch Mitglied der Königlichen Niederländischen Akademie der Wissenschaften.
Ohne seine Arbeiten wäre ein heutiges Verständnis der "Selbstreinigung von Fließgewässern" nicht nachvollziehbar.
Seine Arbeiten und Ergebnisse sind auch heute noch unbestritten und werden als Status quo der mikrobiellen Selbstreinigung der Fließgewässer anerkannt.


Manchmal liegen große Lösungen eben in ganz kleinen Bereichen.
Und wir als Aquarianer profitieren heute noch davon mit unseren ungewaschenen Bio-Filtern.

Ammonium

Ammonium kommt in der freien Natur bei der Zersetzung von Proteinen als Stoffwechselendprodukt vor. Tierausscheidungen, Zersetzung von Zellmasse etc. sind die natürlichen Ursachen.

Aber wesentlich stärker sind die anthropogenen Ursachen durch die Landwirtschaft: fast 99% aller mineralischen Dünger haben Ammonium (bzw. Ammoniak) als Ausgangsmaterial!
Dazu kommen die Ausscheidungsprodukte aus der Tierhaltung.
Hier liegt auch der Haupteintragsfaktor in die Gewässer.

A. ist nur unter anaeroben (sauerstofffreien) Verhältnissen stabil. Ansonsten wird es unter starker Sauerstoffzehrung über Nitrit zu Nitrat oxidiert. Dabei werden je mg Ammonium 4,6 mg Sauerstoff verbraucht.

Im Ammonium ist aber auch latent das starke Fischgift Ammoniak enthalten. Ammonium und Ammoniak stehen immer in einem bestimmten Verhältnis (Dissoziation), welches abhängig von Temperatur und pH - Wert ist.
Folgende Beispiele beziehen sich auf 18°C Wassertemperatur:
Bei einem pH von 7 ist das Verhältnis Ammonium/Ammoniak 99: 1.
Bei einem pH von 9 ist es schon 75: 25.
Bei pH 10 sogar schon 23: 77!
Erhöht sich die Wassertemperatur von 18 auf 23°C, so haben wir ein Verhältnis von 17: 83
D.h.: Fast das gesamte Ammonium ist liegt nun als das hochgiftige Fischtoxin Ammoniak vor!

Was passiert bei einer Ammoniak - Vergiftung?

Weil mit steigendem pH-Wert immer mehr Ammonium (NH4+) im Wasser zu Ammoniak (NH3) dissoziiert und dann evtl. kein osmotisches Gefälle vom Fischblut ins Wasser besteht, wird die Ammoniakausscheidung über die Kiemen behindert oder gar unterbunden. Es kommt zu einem Ammoniakstau im Fischblut. Vergiftungserscheinungen mit Kiemennekrose (irreversibler Untergang von Kiemengewebe) sind die Folgen. Der Fisch verliert den Appetit und zeigt Symptome eines chronischen Sauerstoffmangels durch die Behinderung der Atmung (Kiemenentzündung / Kiemennekrose). Letztendlich besteht die Gefahr eines Erstickungstodes.


Wieviel Ammoniak ist im Wasser?

Der aktuelle Ammoniakwert wird über Ammoniumgehalt, pH - Wert und Temperatur errechnet.
Die Formel ist: 0,94412 * NH4 / (1 + 10 ^ ((0,0925 + (2728,795 / (t + 273,15))) - pH))
Einen recht brauchbaren Umrechner findet man aber auch beim österreichischen Umweltbundesamt:

Als Dezimaltrennzeichen dort bitte unbedingt Punkt (.) eingeben; kein Komma!

Welche Grenzwerte von Ammoniak sind für die Fische schädlich?

Bei Salmoniden (adult) liegen Schädigungen bereits bei 0,01 mg Ammoniak vor.
Bei der Salmoniden Brut reichen bereits 0,006 mg!
Das entspricht bei 18° Temp. pH 9,5 einem Ammoniumgehalt von 0,01mg.
Bei Cypriniden ist die Toleranzgrenze bei 0,02 mg. erreicht.

Nitrit

Nitrit ist das Zwischenprodukt bei der Oxidation von Ammonium zu Nitrat. Es ist sehr kurzlebig, da es schnell zu Nitrat weiter oxidiert wird. Nitrit ist allerdings auch ein sehr starkes Fischgift! Salmoniden werden dabei stärker beeinträchtigt als Cypriniden. Außerdem nimmt die Sensibilisierung mit der Größe der Fische zu.

Was passiert bei einer Nitrit Vergiftung?

Das Nitrit reichert sich im Blut der Fische an und oxidiert das Eisen im Hämoglobin (eisenhaltige, sauerstofftransportierende Proteine in den roten Blutkörperchen).
Dadurch wird die Sauerstofftransportkapazität vermindert und es kommt zu einer Sauerstoffminderversorgung.

Zu den Symptomen zählen schwerfälliges Verhalten, Orientierungslosigkeit, nach Luft schnappen und Kiemenverfärbungen (oder sogar Verätzungen). Fische halten sich dann oft knapp unter der Wasseroberfläche auf.

Also in etwa die gleichen Symptome wie bei einer Ammoniakvergiftung - was nicht wundert, da die Auswirkungen der Vergiftungen in beiden Fällen sehr ähnlich sind: Sauerstoffunterversorgung lebenswichtiger Organe (u.a. des Gehirns).

Zu einer starken Nitrit Anreicherung im Gewässer kann es (in der Natur nur äußerst selten) kommen, wenn die Nitrifikationsbakterien der ersten Nitrifikationsstufe (Nitrosomonas) das Ammonium zu Nitrit oxidiert haben - aber die 2. Stufe von Nitrit zu Nitrat (durch Nitrobacter) gestört oder durch exotoxische Faktoren nicht mehr vorhanden ist. Kläranlagenbetreibern und Aquarianern ist dieses Problem aufgrund technischer Pannen sicher geläufiger.

Bei beiden Vergiftungserscheinungen ist stets schnellste Hilfe geboten!
Wie unterscheidet man aber die beiden Ursachen?
1. pH - Wert messen
Wenn weit über 8: Temp. und Ammonium messen.
Wenn im normalen Bereich: Nitrit messen.


Nitrat

schließlich wird als Produkt der 2. Stufe der Nitrifikation von Algen und Wasserpflanzen als Nährstoff über Wurzeln, Zellmembrane oder Vakuolen aufgenommen und mit Hilfe der Photosynthese in Proteine umgewandelt.

Ein hoher Nitratgehalt in Fließgewässern fördert also das Pflanzen- und Algenwachstum!


Der Licht – Faktor

Licht als Nährstoffproduzent: Der dritte Nährstoff für Algen (und natürlich auch alle anderen Pflanzen) ist das Sonnenlicht.
Sonnenlicht ist eine wellenförmige elektromagnetische Energiestrahlung, die von Pflanzen absorbiert werden kann.
Bei Grünpflanzen (auch Grünalgen) wird diese Strahlung durch das in den Pflanzenzellen eingelagerte Chlorophyll in Energie umgewandelt. Man nennt diesen Vorgang >Photosynthese.

Die Absorbtionsspektren für die Photosynthese (Chlorophyta) liegen bei 400 - 430 und bei
660 - 680 nm Wellenlänge.
Bei Braun- und Rotalgen werden andere Spektralwerte genutzt.

Wie funktioniert die Photosynthese?

Durch Lichtenergie wird Kohlendioxid und Wasser zu Sauerstoff und Glucose umgewandelt.
Dieser Prozess läuft in 2 Phasen ab: dem Primärprozess, bei dem zunächst das Wasser gespalten wird und dem Sekundärprozess (auch Calvin - Zyklus genannt), bei dem die Glucose und Aminosäuren gebildet werden.

Die Primärreaktion läuft in den Chloroplasten der Zellen ab, die den grünen Blattfarbstoff Chlorophyll enthalten.

Chloroplasten sind Organellen (eigenständige Organe mit DNA und Ribosomen) innerhalb der Pflanzenzellen. Chloroplasten können auch ohne die umgebende Pflanzenzelle überleben. Ebenfalls ist eine autonome Zellteilung der Chloroplaste ohne Anbindung an die Zellteilung der umgebenden Pflanzenzelle möglich.
Die einzelnen Chloroplastzellen sind von einer doppelten Biomembran umgeben, deren internembraner Zwischenraum mit Chlorophyll gefüllt ist und Ausstülpungen (Grana) in das Zellinnere hat. Diese Grana sind ebenfalls mit Chlorophyll umhüllt.
Auf diese Grana kommen wir weiter unten wieder zurück und erklären deren Funktion.

Chlorophyll und die Schwingungsenergie

Ein Chlorphyllmolkül besteht aus einzelnen Atomen, die von Elektronenpaarbindungen zusammengehalten werden.
Wenn Licht auf die Elektronen fällt, werden diese zu Schwingungen angeregt und gelangen auf ein höheres Energieniveau. Die Stärke der Anregung ist abhängig von der Wellenlänge (Lichtfarbe) der Strahlung. Je kürzer die Wellenlänge, umso mehr Energie hat die Strahlung und umso stärker ist die Elektronenschwingung im Chlorophyllmolekül. Diese Schwingungen werden durch das Chlorophyll von der Zellmembran zu den Grana weitergeleitet.

Hier wird diese Energie in chemische Prozesse umgewandelt: Zunächst wird das Wasser oxidiert und mittels der Photolyse in seine Atome Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Der Sauerstoff tritt aus der Zelle aus und wird im Wasser diffundiert oder entweicht in die Atmosphäre.

So entsteht über die Photosynthese Sauerstoff!

Als weiterer Baustein wird Adenotriphosphat (ATP) gebildet, welcher im Calvin - Zyklus zu Adenodiphosphat (ADP) reduziert wird und mit der dabei frei werdenden Energie Glucose, Amino- und Fettsäuren bildet.

Der Prozess der Photosynthese lässt sich bis heute nicht künstlich im Labor erzeugen!

Ich hoffe, das war jetzt nicht zuviel 'graue' Theorie und es hilft euch beim Verständnis der Algenentstehung.

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Re: Wie entstehen Algen?

Beitragvon Christian » 28.02.2015 09:54

Guten Morgen

toller Artikel, wenn ich richtig wach bin muss ich ihn nochmal in Ruhe lesen ;) Für den verkaterten morgen etwas zu viel *g*

Ich verschiebe den Thread mal nach Tipps, Tricks, Versuche & Experimente. Passt dort etwas besser ;)

mfg

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Re: Wie entstehen Algen?

Beitragvon eumel6 » 28.02.2015 10:41

Hallo Fredi,

vielen Dank für deinen Beitrag und die Mühe, die du dir gemacht hast.

Jede(r), der mal ein Aquarium hatte kennt das: Plötzlich - aus dem Nichts - kommen Algen!
Aber woher und wieso?
Algensporen sind überall, in der Luft, im Boden und im Wasser. Normalerweise treten sie nicht groß in Erscheinung. Aber wenn es in einem Aquarium zu einer Massenentwicklung führt, sollte man die Ursachen und Entwicklungsabläufe kennen.
Eine kleine Anmerkung:
Der folgende Beitrag bezieht sich primär und ursprünglich nicht auf Aquarien sondern auf kl. und mittlere Fließgewässer in Mitteleuropa. Man möge mir also kleine Exkursionen wie Bezugnahme zur Landwirtschaft etc. verzeihen – ich wollte den Artikel nicht ganz umschreiben. Ich denke aber, die Faktoren lassen sich auch auf Aquarien umsetzen – man muss nur in ganz anderen Maßstäben denken. Aquarien haben keinen offenen, sondern einen geschlossenen Wasserkreislauf; zudem sind sie wesentlich wärmer (erhöhte Temp. beschleunigt alle Lebenszyklen). Diese beiden Faktoren wirken wie Katalysatoren auf die biochemischen Vorgänge.

Wir haben kein Fließgewässer im Aquarium. Wir haben noch nicht einmal irgendein stehendes Gewässer im Aquarium.
Wir haben bis auf bescheidene Ausnahmen auch nicht die in diesen Gewässern vorkommenden Algenblüten im Aquarium. In unseren 0815 stehenden Gewässern habe ich im Sommer mehr oder weniger grünes Wasser. Dagegen ist grünes Wasser in Aquarien die Ausnahme, abgesehen von ein paar Aquascapern, die irgendwie ein Talent dafür haben.
Auch diese These trifft so nicht für Aquarien zu:
Algensporen sind überall, in der Luft, im Boden und im Wasser.

Sporen sind schon allgegenwärtig, nur entwickeln sich aus diesen Sporen unsere Problemfälle?
Von den 4 Hauptgruppen an Algen(Grün-, Blau-, Kiesel-, Rotalgen) sind fast alle Rotalgen nicht einheimisch. Die kommen nicht durch die Luft sondern durch irgendwelche Kontaminierung. Ähnlich sieht es bei den fädigen Grünalgen aus. Pithophora ist keine einheimische Grünalge aber präsent in Aquarien. Und ob die diskutierte Cladophora vielleicht doch eine Pithophora ist, geht nicht hervor. Auch bei flowgrow wird viel palavert und keine Basisarbeit bezüglich Bestimmungsversuche gemacht.
Bei Kieselalgen ist es schwierig einzuschätzen. Ein Teil siedelt sich so an, während verschiedene Arten weitergegeben werden. Auslöser war für mich das Auftreten einer Melosira-Art als Begleitform zu Grünalgen. Im Verein nachweisbar während weit entfernte Proben sie nicht enthielten.
Die Situation bei Blaualgen ist noch schwieriger zu beurteilen.
Algen sind die typischen Symptome einer Eutrophierung!

Unsere Aquarien sind eutroph!
Eigentlich lautet die praxisrelevante Frage nicht - wie entstehen Algen, sondern warum hab ich eigentlich keine Algenplage im Becken?
Als primäre Nährstoffe kommen in Frage:
Phosphat, Stickstoff und Licht.

Das alles ist vorhanden, bis auf das Licht sogar im Regelfall mehr als in der Natur.

sind Phosphorverbindungen, in denen der Phosphor in einer Oxidationsstufe vorliegt.

Wenn man die Voraussetzungen schon runterschraubt. Wer weiß schon, was eine Oxidationsstufe ist? Und dann kann man auch die Oxidationsstufe (+5) dazuschreiben.
Phosphate sind die Salze und Ester der Orthophosphorsäure (H3PO4).
Was ein Salz ist und was eine Säuere ist dürfte dagegen geläufig sein. Ester und Ortho zwar weniger, ist aber wegen der Genauigkeit halt in der Begriffserklärung drin.

Die gelösten P - Ionen (bei Grünalgen ((Chlorophyta)) sind es H2 PO4 Ionen; bei Blaualgen (Cyanobakterien) sind es H PO4 2- Ionen) werden innerhalb allerkürzester Zeit (1 - 5 Min.) via ATP (Adenosin-triphosphat) durch die Zellmembran aufgenommen.

Zwischenfrage: Und was nehmen Charophyta inkl. Pflanzen auf?
Der Anteil von Hydrogen- und Dihydrogenphosphaten ist ähnlich zum Hydrogenkarbonat pH-abhängig.
Vereinfacht - bei pH 6,5-7 müsste Cladophora im Vorteil sein und bei pH 8 Oscillatoria. Scheint sich aber nicht den Aquarien widerzuspiegeln, bzw hier gibt es gewaltigen Beobachtungsbedarf.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass das Algenwachstum bei 0,015 - <0,02 mg/l Phosphat stagniert, bzw. rückläufig ist.
Diesen Wert brauchen die Algen also zu einem Wachstum mindestens.
Womit sich der limitierende Faktor von P. belegen lässt - allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau.

Die Obergrenze der Phosphataufnahme liegt zwischen 0,02 und 0,03 mg/l P.

Frage :Stimmen hier die Kommastellen, denn Untergrenze = Obergrenze bei 0,02mg/l?
Kollidiert irgendwie mit den Vorstellungen der Pflanzenfans. Die gehen mit mindestens 0,5mg/l rein, und nehmern zum Teil keinen Anst0ß an Phosphatwerten über 1mg/l.

Nitrit ist allerdings auch ein sehr starkes Fischgift!

Nitrit ist ein intenetraquaristisches Reizthema. De fakto wird von großen Teilen der Internetaquarianer Nitrit nicht als Fischgift akzeptiert.
http://ratgeber-aquarium.blogspot.de/20 ... rtner.html

gruß jo
Zuletzt geändert von eumel6 am 28.02.2015 11:15, insgesamt 3-mal geändert.
eumel6
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