Piranha, Roter Neon und Co. bei PH 4...

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Piranha, Roter Neon und Co. bei PH 4...

Beitragvon Blaubeerblau1 » 24.01.2018 17:46

Wie ist es diesen Fischen möglich in extrem sauren Milieus dauerhaft zu existieren?

Im Internet und einschlägigen Foren wird des Öfteren behauptet, dass ein niedriger PH-Wert unter 4,7 oder 4,8 einhergeht mit einer Grenze der Leitfähigkeit nach unten. So dann eine Aussage, dass ein PH-Wert von 4 mindestens !!! einen Leitwert von 35 Mikrosiemens/cm ergeben muss. Da ist dann die Rede von Grenzleitfähigkeit und diese wird dann mit Formeln unterlegt. Dann gibt es noch die üblichen Verunreinigungen beim Messen sowie der Einfluss der Temperatur. Muss man nun alle bisher vor Ort gemessenen Werte diesbezüglich ignorieren oder bestenfalls infrage stellen? Was sind dann Empfehlungen, angelehnt an natürliche Habitate, noch wert? Das Nachhaken erweckt den Eindruck nach Erbsenzählerei oder Korinthenkackerei und scheint mit der Aquarienpraxis nicht viel zu tun zu haben, sind doch solche Fische welche an extreme Verhältnisse gewöhnt oder für diese gar essentiell sind, kaum in unseren Becken zu finden. Meist ist das ja auch nicht nötig das im Aquarium so nachahmen zu müssen. Trotzdem.

Hier sind beispielhaft öffentlich publizierte Werte.
Vor Ort Rio Negro: PH 4,5 bei 16 µS/cm
Vor Ort Rio Jauaperi: PH 4,5 bei 5 µS/cm (Klarwasser !!!)
Vor Ort Rio Negro: PH 4,6 bei 16 µS/cm, gemessen mit JBL Wassertests und WTW-Laborgeräten

Alle Werte dürften ja so nicht existieren bzw. nicht wahr sein.

Hintergrund war eigentlich mein Interesse daran, was Fische in Schwarzwasserhabitaten diese extremen Verhältnisse aushalten lässt. Die extreme Mineralarmut erzwingt ja geradezu einen zuerst einseitig stattfindenden Austausch zwischen Wasser und Fischzellen bis ein Ausgleich der Konzentrationen erfolgt ist. Hier über die Kiemenepithel. So muss sich der Fisch mit hohem Energieaufwand dagegen „wehren“, dass ihm nicht die Natrium- oder Calciumionen entrissen werden. Oder ist das ganz anders? Schützt den Fisch die Huminsäure mit seinen Inhaltsstoffen und wie ?

Aquatische Huminstoffe machen ca. 50 - 80% des DOC (organisch gelöster Kohlenstoff) aus, im Allgemeinen dominieren Fulvinsäuren. Polyphenole und Chinone sind Bestandteile der Huminsäure. Die schützen den Fisch vor Stressfaktoren und kommen dem Immunsystem über die Aktivierung der weißen Blutkörperchen zu Gute. Folgendes hierzu noch im Zitat:

„Bei Schwarzwasserfischen ist das Überleben ohne Huminstoffe in sauren und mineralstoffarmen Gewässern sogar vollkommen ausgeschlossen. Der pH-Wert spielt bei einem huminsäure-angereicherten Wasser dann sogar keine große Rolle mehr. Die Wirkungsweise ist allerdings noch nicht vollkommen entschlüsselt. Sicher aber gilt, dass Huminstoffe Oberflächen adherent (haftend) machen und die Kohäsion (Zusammenhangskraft) des Wassers aufgehoben wird. Bei Fischen oder Garnelen auf dem Kiemenepithel angelagert, verschaffen die mit Basen angereicherten Huminstoffe eine verbesserte Osmoregulation mit geringerem Energieaufwand entgegen eines starken Gradienten des Wassers. Weniger Energieaufwand für die Osmoseregulation bedeutet bessere Nutzung der Ressourcen für Wachstum und Entwicklung. Auch äußerlich erfolgt bei Fischen eine passive Immunisierung, da die Zellmembranen durch Proteinausscheidungen gegerbt werden und somit eine indirekte Abwehr gegenüber eindringenden Pathogenen gefördert wird.“

Mmhh, erklärt mir aber noch nicht, warum der Fisch, im Vergleich zum nährstoffarmen Umgebungswasser, trotzdem seinen „Überschuss“ auf Dauer bei oder in sich behalten kann.
Gruß
Dieter

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Re: Piranha, Roter Neon und Co. bei PH 4...

Beitragvon eumel6 » 24.01.2018 18:01

Hallo Dieter,

Alle Werte dürften ja so nicht existieren bzw. nicht wahr sein.


Du hast es erfasst.
Das würde gerade so noch im Bereich liegen
Vor Ort Rio Negro: PH 4,5 bei 16 µS/cm

Aber es kommt noch etwas Salz dazu. Damit dürfte der pH etwas höher liegen

Muss man nun alle bisher vor Ort gemessenen Werte diesbezüglich ignorieren oder bestenfalls infrage stellen?

Ja. Du kannst nicht mit einem 0815 pH-Messgerät bei solchen niedrigen Leitfähigkeiten antreten. Meine Tochter macht gerade Analytik - ich werde die Aussage mal die Tage weiterreichen.

Beruhend auf Analysen von Sioli/Braun aus dem AT-Jahrbuch 1955!
Igarape Grande(Schwarzwasser)
Oktober Mai
pH 4,8 5,6
GH, °dH 0.05 1,01
KMnO4-Verbrauch mg/l 10 30
(org. KWStoffe)
Gesamtsalzgehalt, mg/l 6,2 25,5


gruß jo



Hier sind beispielhaft öffentlich publizierte Werte.


Rio Negro
Terra Preta LF 12 pH 5,3
Anavilhanas-Archipel LF 16 pH pH 5,7

Quelle: https://www.suedamerikafans.de/wels-dat ... gewaesser/
Die Werte liegen im pH um eine Größenordnung höher und sind plausibel.
In obiger Datenbank gibt es fast keine Werte mit pH unter 4,5. Geringe Leitfähigkeiten zwischen 10-20µs/cm korrelieren mit pH-Werten über 4,7-4,9 wie sie sich auch aus der Leitfähigkeit des pH-Wertes nach Krause ergeben würden.

gruß jo
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